Oh du wunderschönes Krakau

Wir nehmen uns Zeit für Krakau, buchen eine Segway Tour, um so viel wie möglich, vor allem aber auch die Details der Stadt entdecken zu können und starten auf dem Hauptmarkt. Unser Guide berichtet, dass der Marktplatz bereits im 13. Jahrhundert angelegt wurde und mit seiner Fläche von ca. 40.000 m² einer der größten mittelalterlichen Marktlätze in Europa ist. In der Mitte des Platzes befindet sich die Tuchalle, welche 1555 im italienischen Renaissance-Stil wiederaufgebaut wurde.

Weiter geht es vorbei an der Marienkirche. Bereits gestern ist mir aufgefallen, dass sie nicht nur zwei in der Größe, sondern auch in der Architektur unterschiedliche Türm besitzt. Wir bekommen erzählt, dass einer Sage nach die Türme von zwei Brüdern in Konkurrenz erbaut worden sein. Während einer der Brüder seinen Turm bereits erichtet hatte, fürchtete er, sein Bruder, würde seinen Turm übertrumpfen und brachte ihn kurzer Hand mit einem Messer um.

Wir fahren weiter und gelangen vom Hauptmarkt aus zum Krakauer Florianstor mit seinen Stadtmauerresten und dem Barbakan. Das Florianstor ist das einzige noch erhaltene, der ehemals 8 Stadttore. Unsere Tour führt uns durch die die Innenstadt umgebende Parkanlage hinunter zur Burganalge Wawel. Seit der Altsteinzeit bewohnen Menschen den Wawelhügel und seine Kalksteinhöhlen. Der Legende nach trieb ein Drache sein unwesen, bis dieser vom Ritter Krak besiegt wurde.

Bereits im 10. Jhd. wurde auf dem Wawel die Marienrotunde angelegt. Mit dem Jahr 1000 wurde Krakau Bischofssitz und der Bau einer dreischiffigen Kathedrale begann. Ich erspare Euch hier die gesamte Historie der Wawelburg. Wer sich dennoch dafür Interessiert, der kann sich bei Wikipedia schlau lesen. Die heutige Burg jedenfalls stammt mehr oder weniger aus der Zeit nach 1595, denn die bis dahin stehende Burganlage viel einem Großbrand vollständig zum Opfer.

Bis 1596 war Krakau übrigens die Hauptstadt des polnischen Königreiches. Sigmund III. Wasa, zeitweise polnischer und schwedischer König, sowie Zar von Russalnd verlegte seinen Königssitz nach Warschau. Er bevorzugte die zentrale Lage Warschaus. Damit begann Krakau für eine lange Zeit in der Bedeutungslosigkeit zu versinken. Dies änderte sich erst mit Ende des 1. Welkrieges. Krakau entwickelte sich zwischen beiden Kriegen zu einem kulturellen Zentrum. Wir sind inzwischen auf den Wawelhügel gefahren, genießen den Blick über Krakau und lassen unsere Gedanken ein wenig mit der Weichsel Flussabwärts ziehen.

Wir streifen einen unrümlichen Teil der Geschichte von Krakau, als unser Guide uns vom Wawel aus das Stadtvirtel Kazimierz zeigt. Bis 1941 lebte hier eine sehr große jüdische Gemeinde zunächst frei, später im Ghetto. Heute ist dieser Stadtteil besonders bei jungen Menschen beliebt. Es ist geprägt von seiner jüdischen Kultur und einem eigenen Szeneleben. Steven Spielberg dreht einen Teil des Films Schindlers Liste hier in Krakau-Kazimierz.

Es geht vom Wawel bergab, zurück in Richtung Innenstadt. Wir fahren durch die älteste Gasse Krakaus und gelangen zur Peter und Paul Kirche, erichtet in der Wendezeit des 16./17. Jahrhunderts. Unser Weg führt uns den Königsweg hinauf und zurück zum Hauptmarkt. Von hier aus machen wir noch einen Abstecher zum kleinern Krakauer Markt und zur Krakauer Oper bevor wir durch kleine Gassen den Weg zurück zum Tourbüro finden und unsere 90 minütige Tour beenden.

Wir haben viele Eindrücke gesammelt und reichlich geschichtliches über Krakau gelernt. Heute erleben wir Krakau als eine lebendige Studentstadt. Gut 60 Prozent der Bevölkerung ist jünger als 45 Jahre. Der Ballungsraum (100km um Krakau herum) umfasst 8 Millionen Einwohner (!), die Arbeitslosenquote ist 10% Punkte niedriger als der nationale Durchschnitt und Krakaus Bevölkerung hat einen überdurchschnittlich hohen Bildungsgrad. Auch wirtschaftlich kann sich Krakau sehen lassen. Einige internationale Großkonzerne haben sich hier niedergelassen.

Paul und mir hat es in Krakau ausgesprochen gut gefallen. Wir messen dies ganz unwissenschaftlich aus dem Bauch heraus und haben festgestellt, hier könnten wir uns vorstellen zu Leben.

Chapeau Krakau!

Mehr Bilder gibts hier:

Krakau - Mein Herz geht auf.

Ich bin 42 Jahre alt und gestehe vorweg, ich war noch nie in Polen. Bisher hatte ich keinerlei Bilder im Kopf, die mich reizten Polen zu besuchen. Niemand schwärmte mir vor, dieses Land zu bereisen. Ich frage mich gerade, ob es vielleicht vielen Menschen so geht. Und ihr fragt Euch vielleicht, warum ich mich dennoch entschieden nach Polen zu reisen?

Es ist ein Ritual, welches ich mit meinem Sohn seit vielen Jahren pflege. Einmal im Jahr, reisen wir beide allein in eine europäische Hauptstadt. Vieles haben wir schon gesehen, in diesem Jahr sollte es nun die polnische Hauptstadt Warschau werden. Seit geraumer Zeit hatte ich mir vorgenommen die Gedenkstätte Auschwitz zu besuchen und so entschied ich unsere Reise in diesem Jahr etwas abzuwandeln. Krakau liegt ca. eine Autostunde von Auschwitz entfernt, hat einen Flughafen und bot sich daher als Zwischenziel unserer Reise an.

Als Zwischenziel (!?) - es soll sich herausstellen, was für eine fatale Fehleinschätzung diese Nomenklatur war! Nach einem gut einstündigen Flug landen wir am Johannes Paul II. Flughafen in Krakau. Der Flughafen ist überschaubar aber modern. Unser Fahrer wartet bereits in Ankunftshalle. Er spricht nur polnisch, wir nur englisch und so verständigen wir uns liebenswert unbeholfen mit nette Gesten, Händen und Füßen. Die Autofahrt nach Krakau dauert ca. 30 Minuten. Es geht zunächst durch kleine Dörfer - vieles wirkt ein wenig verschlafen, die Natur ist üppig grün, leicht hügelig. Der Verkehr nimmt langsam zu, die Besiedelung auch und plötzlich sind wir im Stadtgebiet.

Die erste Überraschung - viele alte Häuser, wunderschön hergerichtet, viel grün, einiges an Verkehr, viele Menschen auf den Straßen, ich spüre eine gute Stimmung, die durch die Scheiben unseres Taxis dringt. Das gefällt mir und ich bekomme richtig Lust durch die Straßen zu laufen. Unsere Unterkunft ist ein Apartmenthotel, in einem der alten so schön anzusehenden Häuser. Es befindet sich direkt in Zentrumsnähe. Rasch die Koffer ausgepackt, ein paar Minuten ausruhen und dann möchten Paul und ich los.

Das Zentrum der Altstadt ist von einem grünen, parkartigen, Gürtel mit einer durchschnittlichen Breite von ca. 100 Meter umsäumt. Ein Hauptweg folgt dem grünen Gürtel, viele kleine Wege verzweigen sich. Der alte Laubbaumbestand wirk wie eine grüne Lunge, biete Schutz vor der Sonne. Kinder spielen, alte Menschen sitzen auf Bänken, erzählen, ruhen sich aus, junge Menschen liegen auf den Parkwiesen und schmusen. Mein Herz geht auf.

In den beiden Tagen, die wir Krakau verbringen, werden wir die Altstadt einmal in diesem wunderschönen Parkgürtel umrundet haben. Kleine Straßen durchbrechen die Parkanlage an den Stellen, an welchen früher Einfahrten durch Stadttore möglich waren. Wir nutzen eine dieser Straßen und laufen in Richtung Altstadt und Marktplatz. Mit uns, Touristen aus Aller Herren Länder. Die Gebäude zur rechten und linken Hand sind alle historisch, tip-top in Schuss. Wir laufen auf den Marktplatz zu und sind überwältigt. 

Es ist die Größe, das Leben, die Schönheit, die Architektur, die alte Markthalle in mitten des Platzes - staunend bleiben wir stehen und ich frage mich, wieso Krakau sich vor mir auf der Landkarte versteckt hat. Wir umrunden den Marktplatz mit seinen Cafes, Restaurants und kleinen Geschäften. Es ist bereits 19:00 Uhr aber in der ganzen Altstadt geht es so lebendig zu, als wären wir in einer Megametropole. Es wimmelt angenehm unaufdringlich an Menschen, vor allem junge Menschen sind auf den Straßen, diese Stadt erobert gerade mein Herz und ich freue mich auf den kommenden Tag, der uns die ganze Schönheit zeigen soll.

Den Abend lassen Paul und ich in einem wunderschönen Restaurant mit polnischer Küche ausklingen. Für mich als Vegetarier eine kleine Herausforderung, da die polnische Küche ehrlich, vor allem aber fleisch-lastig ist. Mit ein wenig Geschick, lässt sich aus Beilagen auch etwas zaubern. Ich unterhalte mich angeregt mit Paul über unsere ersten Eindrücke, wir lesen in Wikipedia Karkau Facts und sind vollkommen angefixt mehr zu entdecken.